Unternehmen Hochvogel 2002

oder

„Ich glaub`ich hab`ein (R)ADLER gesehen“

 Erfahrungsbericht… oder … so war es wirklich…

Unser Unternehmen begann am 25. August 2002 um 09.30 Uhr am Jugendheim in Styrum. Ziel unserer knapp 7 stündigen Autofahrt war die JBS (Jugendbildungsstätte) „Alpenhof“ des DAV (Deutschen Alpenvereins) in Hindelang (Allgäu).Auf dem Autohof in Wörnitz (nein, ausnahmsweise machen wir hier kein Sommerlager J) machten wir eine kleine Pause und schlossen uns mit J(G)ürgen zusammen, um den Rest des Weges gemeinsam zu bestreiten. Nachdem wir dann unseren Selbstversorgertrakt bezogen hatten, zogen wir los, um unsere leeren Mägen bei Tiggers „Lieblingskroaten“ zu füllen.                                        

Schnell sollte sich in dieser Woche herausstellen, dass Spaghetti und Rumpsteak neben der Hike üblichen Nahrung wie Salami und Käse, gerne gegessen werden würden. Den ersten Abend haben wir dann bei einem leckeren „Grützen – Gold“ in der JBS ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen mussten wir dann frühzeitig aus den Federn, denn nun begann unsere eigentliche Tour. Die Rucksäcke wurden gepackt und wir starteten vom Basiscamp aus.  Der 1. Abschnitt unseres Hikes führte uns über die Gipfel des Iselers (1876 m) und Bschiessers (1999 m) --- 18. Tag der Frisör hält ---vorbei am Ponten (2045 m), hin zur Willers-Alpe (1456 m), wo wir unser erstes Nachtquartier bezogen.

Den ganzen Tag hielt sich das Wetter,  doch eine ½ Stunde vor Erreichen der Hütte, fing es – wie sollte es auch anders sein – an zu regnen, so dass wir völlig durchnässt unser 1. Tagesziel erreichten. Die sehr urige Hütte wird von 3 Brüdern unterhalten, wobei sich das urig auch auf die Hüttenwirte bezieht. (Jesus lässt grüßen). Auf der Hütte gab es nur kaltes Bergwasser zum waschen und Kerzenlicht, doch gerade dies machte die Gemütlichkeit an diesem Abend aus. Nachdem wir dann gegessen hatten – oh wie verwunderlich, es gab Spaghetti J - tauchte eine Gitarre auf und wir konnten mit so tollen Liedern wie „Daumen im Po“ („Reimt sich zwar nicht, aber dichtet!“) die restlichen Hüttengäste unterhalten. Sowieso wurde in der ganzen Woche relativ viel gesungen, so dass es auch nicht weiter verwunderlich ist, dass ganz neue Liedkreationen erschaffen wurden. So gab es z.B. „Das Lied der Schlüpfer“ oder „Mein Dildo hat mich lieb“.

Am nächsten Morgen wurden wir dann gleich mehrmals geweckt. Erst krähte gegen 3.00 Uhr ein Hahn (den müsste man auch mal stellen), dann wurden gegen 4.00 Uhr die Kühe nach draußen geführt, wobei jede eine schöne große, laute Glocke um den Hals hängen hatte, damit man sie auch immer wieder findet. Zu guter Letzt hatte irgendein Spaßvogel das einzige kleine Fenster im Lager zugemacht, so dass die Luft (wenn man sie denn noch als solche bezeichnen möchte)nicht die Beste war…

Am nächsten Morgen wollten wir dann eigentlich weiter zum Edmund-Probst-Haus, doch leider hebte es (das Wetter) sich nicht. Zumindest nicht nennenswert. Auch wenn es eine Person gab, die die Hoffnung auf besseres Wetter nie aufgab und uns immer wieder mit genialen Auskünften zu motivieren versuchte, wurde die Wanderung durch die graue Suppe abgelehnt und wir begannen mit dem Abstieg nach Hinterstein. Hier ein kleiner Tipp. Solltet ihr einmal in den Bergen unterwegs sein und ihr fragt wie lange es noch bis zum nächsten Etappenziel ist, glaubt nicht alles was man euch erzählt.

Denn wir mussten die Erfahrung machen, dass die Uhren im Allgäu doch wohl sehr langsam zu gehen scheinen. Es gibt da z.B. die berühmte „Alpen- Halbe-Stunde“. Sie ist nicht mit der normalen Halben-Stunde zu vergleichen, da sie diese in der Zeitspanne doch oft weit übertrifft. Gleiches gilt für Aussprüche wie: „Es ist nicht mehr weit, man kann die Hütte ja schon sehen“ oder „Wir müssen „nur!“ noch um diesen Berg herum“ oder, auch immer wieder gern genommen ist „Nach der nächsten Kurve müsste man es sehen können“.Am besten löchert man in diesen Augenblicken den leicht angenervten Führer nicht weiter sondern hält „einfach mal die Fresse“ und läuft weiter bis man endlich da ist.

 So,  zurück zur Tour.

Auf dem Abstieg nach Hinterstein, knickte Frau Sandra E. aus M. an der R. (wir wollen ja keine Namen nennen – aber komisch ist nur das so was immer nur den Frauen passiert J) so unglücklich auf einem Geröllfeld um, dass der Abstieg nach Hinterstein für sie nur noch beschwert möglich war und die weitere Tour sich somit für sie erledigt hatte. In Hinterstein angekommen, wurde der Bus geholt und wir fuhren gemeinsam zurück zur JBS. Dort wieder angekommen, machte Sandra sich auf zum Arzt, in der Hoffnung irgendetwas Positives zu hören, doch alles was man ihr sagte war „Salben und dergleichen sind sowieso nur Geldverschwendung, ich würde nichts drauf tun“ – DANKE für NICHTS!!! Also führten wir unsere Tour erst am nächsten Morgen weiter und Sandra, das ist die mit dem kaputten Fuß, brachte uns nach Hinterstein, von wo aus wir weiter zum Giebelhaus  fuhren,  um dann unseren Aufstieg zum Prinz-Luitpold-Haus zu beginnen.

Sandra hingegen verbrachte die nächsten 1 ½ Tage mehr oder weniger alleine. Sie kaufte sich ein tolles Buch, las bis mitten in die Nacht, hörte komische Geräusche und schloss alle Türen ab, machte selbst laute Geräusche und Licht an und telefonierte zu guter Letzt eine Halbe Stunde mit ihrem Freund per Handy. Man könnte doch meinen, ihr war ein klein wenig unwohl zu mute… Der Rest der Truppe hatte dagegen mit ganz anderen Hindernissen zu kämpfen. Störrische Kühe auf den Wanderwegen und abartig steile Aufstiege.

Doch auch dies alles wurde von uns gemeistert, so dass wir gegen 16.00 Uhr die Hütte erreichten. Zu unserer eigenen Überraschung – wir konnten es selbst kaum fassen – es hatte an diesem Tag nicht einmal geregnet. UNGLAUBLICH. Die Prinz-Luitpold-Hütte ist mit der Willers-Alpe nicht zu vergleichen, sondern ist in allen Belangen sehr modern eingerichtet. Neben elektrischem Strom, konnte man sogar schon für 3 €uro! 3 Minuten warm duschen. Ein Schnapp.

Den nächsten Tag würde ich in etwa so beschreiben. Berg runter, durchs Tal, Berg rauf, schon ist man da. Nur lagen zwischen dem runter und rauf etwa 7 Stunden, die doch tlw. sehr Kräfte zehrend waren. Unser Weg führte uns dabei durch Matschfelder (ne, Susi), die durchaus sehr rutschig sein können, Dschungel und Marslandschaften, über Bergbäche hinweg und an steilen Abhängen vorbei.

Geplant war, dass wir bis zum Edmund-Probst Haus laufen und von dort aus unseren Abstieg nach Hinterstein beginnen. Doch erstens kam es anders und zweitens als man denkt. Denn nachdem sich dann auch die 2 Frau in der Gruppe verletzte (aua Knie) musste dass Tempo etwas gedrosselt werden und unser Zeitplan geriet außer Kontrolle. Endlich am Haus angekommen, mussten wir feststellen, dass wir für den Abstieg nicht länger als 2 Stunden benötigen dürften, um unseren Anschluss Bus in Hinterstein zu bekommen. Aufgrund mangelnder Motivation und Knieproblemen, entschlossen wir uns dann aber, die letzte Fahrt mit der Nebelhorn Bahn nach Oberstdorf nehmen.

Obwohl es ja  auch Teilnehmer gab, die gerne bei Dunkelheit, besoffen und in Badelatschen den Abstieg wagen wollten...

...denn in Wirklichkeit war es auch ein Nudisten Hike, darf nur keiner wissen ... also, Lachs raus...

Gesagt, Getan.

In Oberstdorf angekommen, nahmen wir die öffentlichen Verkehrsmittel und fuhren zurück zur JBS.

Somit war die eigentliche Hüttentour beendet.

Doch wir verbrachen noch einen sehr schönen Freitag in Hinterstein. Denn bei knapp 30°C machten wir einen Tagesausflug zu einem Wasserfall und danach zu einem Naturschwimmbad. Dieses wurde jedoch nicht beheizt, sondern nur von klarem Bergquellwasser gespeist. Das war ungefähr soooooooo kalt…

 Die beiden letzten Abende (Donnerstag und Freitag) im Basiscamp waren übrigens auch sehr entspannend. Auf der Teamer Sitzung am ersten Abend, wurde Tigger darauf hingewiesen, dass, wenn der Feuermelder losgehen sollte wir auf jeden Fall Schuld seien. Das konnten wir ja gar nicht fassen, was die nur von uns denken…

…doch sie sollten wohl recht behalten.

Am Donnerstagabend spürten auf einmal zwei in der Gruppe ein leichtes Hungergefühl (ohh, das war ich wohl selbst und der Gürgen). Es war etwa gegen 24.oo Uhr als ein Teil der Gruppe schon im Bett lag, der andere Teil musizierte (Schlagzeug-Blues) und der dritte Teil kochte. Die Reste, sprich Salami, Käse und Brötchen, mussten weg, so dass wir dem Rest der Gruppe überbackene Brötchen und angebratene Salami kredenzen wollten. Dies haben wir dann auch getan, nur leider qualmte es sehr stark und plötzlich, ich schaute gerade in Richtung Rauchmelder ging ein kleines rotes Lämpchen an und schon war es passiert. FEUERALARM. Und wer war Schuld. Natürlich WIR. Hatten die Zivis wohl Recht gehabt. Unsere mehr oder weniger sinnvollen Gespräche drehten sich in dieser Woche wohl meist um ein Thema und das waren Körperausscheidungen in allen Formen. Platt könnte man jetzt auch sagen, wir haben uns über Kacke unterhalten.

Einen schönen Gruß an alle HEIMSCHEISSER/INNEN ...

Ach ja, gerade abends wurden wir quasi genötigt, Hektoliterweise Adler zu „sehen“… Alles in allem war es mal wieder eine sehr lustige Woche, die auf jeden Fall wiederholenswert ist.

Halt, einen habe ich noch ... Wo Bären sind ist auch eine Höhle und Bären treten immer paarweise auf. Und ganz wichtig: Bärenjäger sind verschwiegen (Hallo Dennis!) - - - und bevor ich es vergesse, dass Allgäu eignet sich wunderbar zum "Spaltentraining" ...Ein letztes Wort an alle, die nicht dabei waren. Falls ihr nicht alles verstanden habt, hier ein Tipp. Fahrt mal wieder eine Woche weg und ihr werdet unsere "META-EBENE" verstehen lernen...

In diesem Sinne...

GUT PFAD

 Christian

 

P.S. Für alle die mal eine nette SMS schreiben möchten, hier ein Tipp vom Tigger: Eröffnet eure SMS doch am Besten mit „Hallo Du Bratze!“

Und das waren wir...

Hochvogel

 Tigger, Christian, Susi, Jürgen, Sandra, Irgl, Dennis & Matthi (v.l.)